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Das Braunschweiger Barytontrio wurde 1975 in Braunschweig
gegründet anlässlich einer Partnerschaftsreise in die USA
mit Konzertverpflichtung.



 

Baryton von Manfred Herbig, gebaut von W.A. Uebel in Celle 1973 nach historischen Vorbildern.

 

 


Baryton von
Daniel Achatius Stadlmann, Wien 1715,
jetzt im Musikinstrumentenmuseum
in Leipzig.

 


Das von Prinz Nikolaus von Eszterhazy
gespielte Baryton mit Holzkoffer,
jetzt im Nationalmuseum in Budapest.

 


Ein indischer Saranghispieler

 


Eine besonders aufwändig gearbeitete Saranghi: der Corpus ist stets aus einem Stück Holz gearbeitet und hat als Resonanzdecke eine Tierhaut, wie wir es vom Banjo kennen. Die Gesamtlänge beträgt ca. 80-90 cm.

 

 

(www.triofatal.de/bbt0.htm; Update 30.11.2011) *** WEITER! **** ZURÜCK! ***

 

Im Mittelpunkt der Arbeit und der Programme dieses Ensembles steht das Streichinstrument Baryton (Viola bordone), das Lieblingsinstrument des
Prinzen Nikolaus von Eszterhazy (1714-1791, Reg. 1762-1791).
Nach jahrelangen Recherchen konnte Manfred Herbig ein
von Wolfgang A. Uebel in Celle 1973
nach historischen Vorbildern gebautes Baryton erwerben
und nahm schließlich Unterricht bei Alfred Lessing in Düsseldorf.


Einige Informationen zum Baryton

Das Baryton (italienisch: Viola (di) bordone oder bardone, Paridon, Pariton) war stets ein seltenes Instrument und hat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine gewisse Verbreitung vor allem in Süddeutschland und Österreich erlebt. In den Museen in Leipzig, Nürnberg, Wien, Prag, Brüssel, London, Budapest und weiteren sind noch etwa 30 historische Exemplare vorhanden. Es gehört zur Familie der Gamben (Viola da gamba) und hat wie diese in der Regel sechs Darmsaiten, die mit einem Bogen gestrichen werden. Dazu kommt eine Vielzahl mitschwingender Metallsaiten, die man Resonanz- oder Bordunsaiten nennt. Der Begriff Aliquotsaiten ist ebenfalls gebräuchlich, im Englischen heißen sie sympathetic strings. Sie geben dem Instrument einen hellen, obertonreichen Klang.

Im Gegensatz zu anderen Instrumenten mit Resonanzsaiten wie der Viola d'amore oder der Hardanger-Fidel kann man hier jedoch mit dem Daumen der linken Hand beim Streichen diese Saiten auch anzupfen. Dazu ist der breite Hals hinten offen. Diese Klänge erinnern an ein Cembalo oder eine Mandoline.

Man versuchte, dem Baryton ein "Familienaussehen" zu geben. Dazu gehören die Form des Corpus, die Flammenlöcher (links) und die Rosette sowie der "Singende Bauer" (rechts) als oberer Abschluss, hier nach einem Instrument von Simon Schödler in Brüssel.

Streichinstrumente mit klangverstärkenden Resonanzsaiten auszustatten, ist wahrscheinlich eine aus Indien stammende Idee. Allgemein bekannt ist wohl die Sitar, die allerdings aus Persien nach Indien gekommen sein dürfte. Doch aus Nordindien stammt die Saranghi, ein Streichinstrument mit drei bis vier Darmsaiten, unter denen meistens 35 metallene Resonanzsaiten verlaufen.

Das Baryton des späten 18. Jahrhunderts hat durchaus seine europäischen Vorfahren. Im "Renaissanceorchester", das man damals noch nicht so nannte und das aus verschiedenen Instrumentenchören oder Registern "von ganz tief bis ganz hoch" bestand, gab es eine Viola bastarda. Diese Bezeichnung galt sowohl einem Instrument wie auch einer Spielweise. Das Instrument musste hell und durchdringend klingen. Man wählte eine scharf bis penetrant klingende Viola da gamba in hoher Tenor- oder Altlage. Durch zusätzliche, über den Corpus gespannte Metallsaiten, die man in einem bestimmten Verhältnis teilte, konnte man den schneidenden Charakter der Töne noch unterstreichen. Der Spieler hatte die Aufgabe, die "wichtige Stimme" innerhalb des Gesamtgeschehens zu unterstützen - dies zum einen durch spontanes Mitspielen der als bedeutsam empfundenen Stimme, zum andern durch hervorhebende, improvisatorische Verzierungen. Diese Aufgabe verlangt natürlich einen Überblick über das Gesamtgeschehen, der fast dem des Dirigenten gleichkommt. Dazu war der Bastarda-Spieler ständig an exponierter Stelle im Einsatz, während der Chorspieler oft genug ausruhen konnte, wenn ein anderes Register die Fortführung übernahm. In den letzten zwei Jahrzehnten gelangen der Scola Cantorum Basiliensis einige beachtete Aufführungen, in der die Spielweise der Bastarda wieder überzeugend gelang. Dies betrifft also etwa noch die Zeit um 1500, in der auch die Orgel entstand, die mit ihren Registern eigentlich ein mechanisiertes Abbild des Renaissanceorchesters ist. Doch ist auch im größten Orgelgehäuse kein Platz für die kreative, improvisatorische Rolle der Bastarda.

Im anschließenden Frühbarock begegnet man einem, schon Baryton (auch Paridon - beides als Verballhornung von bourdon oder bordone) genannten Instrument, das im Gegensatz zur Viola bastarda auch das Anzupfen der Metallsaiten gestattet. Diese waren sehr tief gestimmt, nämlich in der Lage eines Kontrabasses. Die Streichsaiten hingegen lagen um drei bis vier Töne höher als beim Baryton der Haydn-Zeit. Der Opernkomponist Attilio Ariosti (1666-1722) schrieb Arien, die einzig vom Baryton begleitet wurden: Vorne - also auf den zu streichenden Darmsaiten - spielte man zweistimmig. Dazu zupfte man mit dem Daumen der linken Hand durch den hinten offenen Hals des Instruments einen Bass. Von dem Cellisten Andreas Lidl , Mitglied des von Haydn geleiteten Orchesters am Hofe Eszterhazy, berichtet man, dass er eine Arie singen konnte, dazu mehrstimmig das Baryton strich (vorne) und gleichzeitig mit dem Daumen der linken Hand - quasi "im Dunkeln" hinten die Bässe auf den metallenen Resonanzsaiten zupfte. Dem steht man fassungslos gegenüber - erst recht dann, wenn man sich intensiv mit diesem - sagen wir: unhandlichen Instrument befasst hat. "Kunststücke" dieser Art haben durchaus Parallelen. So hat Nikolaus Bruhns (1655-1697, Husum - sogenannte "norddeutsche Orgelschule") Solokantaten komponiert für Gesang, Violine und Orgel, die er ganz allein auf der Orgelbank mit der Violine in den Händen und dem Orgelpedal unter den Füßen aufführte. Da denken wir heute vielleicht eher an Circus Roncalli oder eine Varietévorstellung als an eine seriöse Musikinterpretation ... Roland Hutchinson, New Jersey (USA) demonstriert das Barytonspiel in einem eindrucksvollen Video auf einer Teilseite der Viola da Gamba Society of America.

Prinz Nikolaus (Miklós) I. Joseph Fürst von Eszterhazy (1714-1790), der "Prachtliebende" liebte das Baryton. Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien besitzt sein mit aufwändigen Schnitzereien und einem Griffbrett in Elfenbein und Ebenholz besonders kostbar ausgestattetes Instrument, signiert "Daniel Achatius Stadlmann, Wien 1732". Ein solcher Gegenstand war damals auch Repräsentationsstück und Kapitalanlage in der Schatzkammer. Es überstand im II. Weltkrieg auf wunderbare Weise einen Bombenangriff, der das gesamte Gebäude zerstörte. Beide Instrumente erwarb der Prinz schon vor seiner Regierungszeit (1762-90) und vor der Anstellung Haydns (1761). Ein weiteres sehr schönes Instrument, signiert "Johann Joachim Stadlmann, Wien 1750" aus seinem Besitz befindet sich

mit dem roten,messingbeschlagenen Holzkoffer, der das typische schwungvolle E als Zeichen des Hauses Eszterhazy trägt (siehe links) im Ungarischen Nationalmuseum in Budapest. Detailaufnahmen einer originalgetreuen Kopie von Henner Harders findet man auf www.violworks.com , Teilseite: "Instrumente".

Beide Instrumente haben sieben Spielsaiten in der Stimmung A D G c e a d' und zehn Resonanzsaiten - wahrscheinlich (G) A d e fis g a h cis' d' als Normalstimmung. Der Singende Bauer des früheren Instruments trägt einen breitkrempigen Arbeitshut - in Budapest ziert ihn nach ungarischer Tradition eine kopftuchartige Zipfelmütze und ein kräftiger Oberlippenbart.

Die Faszination des Barytons in jener Zeit hat auch einen philosophischen Grund. Die Mechanik war die "Wunderwissenschaft" des 18. Jahrhunderts. Mit der Verbreitung des Wissens über die Mechanik hatte man das Phänomen der Schwingungen verstanden und übertrug die Erkenntnis der Resonanz auf die Seelenverwandtschaft - die Sympathie, die nur dann sich zeigt, wenn die Schwingungen der einen Seele von der anderen übernommen werden. Im Baryton ist dies zwischen den beiden konträren Materialien Darm und Metall gegeben, die sich gegenseitig anregen und eine wunderbare Sympathie - ein Mitschwingen wechselseitig erreichen, zugleich aber auch in höherem Maße die menschliche Seele zum Mitschwingen anzuregen vermögen.

Der Prinz verlangte von dem, in seinen Diensten stehendem Joseph Haydn (1732-1809) regelmäßig Kompositionen "für die Gamba", wie es im Anstellungsvertrag hieß. Insgesamt schrieb Haydn 175 Werke mit Baryton, darunter 126 Trios für Baryton, Viola und Cello (drei davon mit Violine). Die Forschung geht davon aus, dass der Prinz von 1765 bis 1775 intensiv spielte und danach sein musisches Interesse eher dem neuen Marionettentheater zuwandte. Seiner Leidenschaft ist es zu verdanken, dass wir das Instrument nicht vergessen haben. Andere Zeitgenossen komponierten ebenfalls Trios für Eszterhazy, so der 1. Konzertmeister der Hofkapelle Luigi Tomasini und uns sonst gänzlich unbekannte Komponisten (Andreas Lidl, Joseph Burgksteiner, Anton Neumann). Es soll auch Quartette und mehr von anderen Komponisten gegeben haben, die jedoch bei dem Brand im Dezember 1779 in Eszterhaza (heute Fertöd) in Flammen aufgingen. Die Trios der hier genannten Komponisten liegen jedoch teils beim Musikverein in Wien, teils in Stockholm und an wenigen anderen Orten. Der Notendruck und das Verlagswesen entstanden erst um 1800 aufgrund des größeren Musikbedarfs in den Bürgerhäusern - man denke an Beethovens Auseinandersetzungen mit den Verlagen. Davor gab es jeweils nur wenige Abschriften für die "Paläste und Höfe".

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Kammermusikspektrum Prof. Dr. Manfred Herbig
im "Landhaus Herbig" * Kossúth Lájos u. 60 * H-8648 Balatonkeresztúr / Ungarn
Tel. 0036 30 732 1875, 0049 178 678 1303
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